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Abstraktes Gemälde im Jahr 1945
(zu alt für eine Antwort)
Roger Roesler
2018-07-02 17:45:28 UTC
Permalink
Das im Link fotografierte Bild wurde am 8. Juli 1945 anlässlich einer
Party zur Heirat meiner Großeltern Gustav Roesler und Martha Schroer
aufgenommen. Es zeigt meinen Onkel Bernhard Rösler, sowie zwei
amerikanische Ladies. Das Foto könnte in Zürich oder in St. Gallen
aufgenommen worden sein.

Auf dem Foto ist an der Wand ein abstraktes Gemälde zu sehen. Mir ist
dieses Gemälde durchaus bekannt, kann mich aber im Moment nicht daran
erinnern.

<https://twitter.com/roger_roesler/status/1013812974472060928>

Weiß jemand, wer diese Gemälde angefertigt hat? Vielleicht kennt jemand
sogar den Namen des Besitzers im Jahr 1945? Nach den Begriffen der Nazis
handelte es sich dabei wohl um sogenannte entartete Kunst. Wer kennt
dieses Gemälde?

TIA
--
ЯR
Arnulf Sopp
2018-07-03 22:11:10 UTC
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Post by Roger Roesler
<https://twitter.com/roger_roesler/status/1013812974472060928>
Weiß jemand, wer diese Gemälde angefertigt hat?
Auf den ersten Blick fühle ich mich an Joan Miró erinnert. Die ineinander
verschachtelten Flächen wären dann jedoch untypisch, denn seine Details
stehen fast immer isoliert in der Fläche.

Allerdings finden wir dieses Phänomen bei Miró in der "Composition 2" von
1956 und in "Sabine B. Vogel", andeutungsweise auch in vielen anderen
Gemälden.

Bei Paul Klee sind ineinander verschachtelte Flächen fast schon die Regel.
Allerdings enthalten seine Bilder fast immer ikonische Anteile. Vollkommen
Abstraktes wie in Deinem Beispiel ist bei Klee zumindest nicht die Regel.

Wenn dies vielleicht auch nicht die Lösung ist, so bietet es evtl.
Ansatzpunkte für weitere Recherchen.

Tschüs!
Arnulf
--
Geistlose kann man nicht begeistern. Aber fanatisieren kann man sie.
Marie v. Ebner-Eschenbach.
Roger Roesler
2018-07-05 19:25:45 UTC
Permalink
Post by Arnulf Sopp
Post by Roger Roesler
<https://twitter.com/roger_roesler/status/1013812974472060928>
Weiß jemand, wer diese Gemälde angefertigt hat?
Auf den ersten Blick fühle ich mich an Joan Miró erinnert. Die
ineinander verschachtelten Flächen wären dann jedoch untypisch, denn
seine Details stehen fast immer isoliert in der Fläche.
Allerdings finden wir dieses Phänomen bei Miró in der "Composition 2"
von 1956 und in "Sabine B. Vogel", andeutungsweise auch in vielen
anderen Gemälden.
Bei Paul Klee sind ineinander verschachtelte Flächen fast schon die
Regel. Allerdings enthalten seine Bilder fast immer ikonische
Anteile. Vollkommen Abstraktes wie in Deinem Beispiel ist bei Klee
zumindest nicht die Regel.
Ich habe inzwischen nach diesen Angaben gesucht. Diese beiden Maler
scheinen mir vom Stil her nicht so zu passen. Ich habe bis zum bitteren
Ende gesucht. Ich finde es seltsam, weil dieses Gemälde in früheren
Zeiten recht bekannt zu sein schien.
Post by Arnulf Sopp
Wenn dies vielleicht auch nicht die Lösung ist, so bietet es evtl.
Ansatzpunkte für weitere Recherchen.
Ich suche schon seit drei Jahren nach diesem Gemälde. Als ich meine
erste Wohnung eingerichtet habe, wollte ich im Wohnzimmer ein Bild in
einem großen Glasrahmen aufhängen. Ich bin dann nach Karstadt, wo solche
Poster damals angeboten wurden. Darunter befand sich auch ein Druck
dieses Gemäldes. Mich beschlich ein magisches Gefühl, als ob ich dieses
Bild schon einmal gesehen hätte. Eine innere Stimme sagte mir, ich
sollte dieses Gemälde auswählen. Der Abstraktionsgrad dieses Kunstwerks
überstieg damals jedoch mein Geschmacksempfinden. Ich entschied mich
dann für einen Druck von Salvador Dali.

Jahre später sah ich dieses abstrakte Gemälde in einer Dokumentation
über abstrakte Kunst im TV. Zu meiner großen Überraschung war das im
Fernsehen gezeigte Original sehr viel kleiner als der Druck, der bei
Karstadt angeboten wurde. Und wieder hatte ich dieses komische Gefühl,
es schon einmal als Original gesehen zu haben. Bei dem Gemälde an der
Wand auf dem Foto in
<https://twitter.com/roger_roesler/status/1013831754594095112>
dürfte es sich um das Original gehandelt haben.
--
ЯR
Arnulf Sopp
2018-07-05 23:55:35 UTC
Permalink
Post by Roger Roesler
Ich suche schon seit drei Jahren nach diesem Gemälde.
Nun habe ich mir auch mal eine Ladung Delaunay reingetan. Dieses Bild
konnte ich nicht finden, aber viele ähnliche. Wie schon bei Klee und Miró
angemerkt, wäre dieses Bild allerdings auch für Delaunay nicht typisch.

Tschüs!
Arnulf
--
Geistlose kann man nicht begeistern. Aber fanatisieren kann man sie.
Marie v. Ebner-Eschenbach.
Werner Sondermann
2018-07-06 00:15:00 UTC
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Post by Arnulf Sopp
Post by Roger Roesler
Ich suche schon seit drei Jahren nach diesem Gemälde.
Nun habe ich mir auch mal eine Ladung Delaunay reingetan. Dieses Bild
konnte ich nicht finden, aber viele ähnliche. Wie schon bei Klee und
Miró angemerkt, wäre dieses Bild allerdings auch für Delaunay nicht
typisch.
Ich hab mal per Bildersuche nach Hans (Jean) Arp gesucht.

Der paßt aber auch nicht wirklich in die engere Suche hinein, obwohl
er ja nun vieles ausprobiert hatte.

Nur langweilige Kreise hatte er niemals gemalt.

w.


https://arpmuseum.org/museum/unser-haus/kuenstlerpaar-arp.html
Roger Roesler
2018-07-07 11:15:36 UTC
Permalink
Post by Werner Sondermann
Post by Arnulf Sopp
Post by Roger Roesler
Ich suche schon seit drei Jahren nach diesem Gemälde.
Nun habe ich mir auch mal eine Ladung Delaunay reingetan. Dieses Bild
konnte ich nicht finden, aber viele ähnliche. Wie schon bei Klee und
Miró angemerkt, wäre dieses Bild allerdings auch für Delaunay nicht
typisch.
Ich hab mal per Bildersuche nach Hans (Jean) Arp gesucht.
Der paßt aber auch nicht wirklich in die engere Suche hinein, obwohl
er ja nun vieles ausprobiert hatte.
Nur langweilige Kreise hatte er niemals gemalt.
w.
https://arpmuseum.org/museum/unser-haus/kuenstlerpaar-arp.html
Hmm. Dem ganzen Sachverhalt liegen folgende Ereignisse zugrunde, die ich
rekonstruiert habe, da ja alle an der historischen Entwicklung
beteiligten Personen längst tot sind.

Meine Großeltern lernten sich Mitte der 30er Jahre wahrscheinlich bei
einer Veranstaltung des Pferdesports kennen und lieben. Gustav Rösler
wurde am 25. Dezember 1892 in Essen geboren, Martha Schroer am 15.
Dezember 1900 in der Gegend von St. Louis in Missouri. Ihr Vater war ein
deutschstämmiger US-Bürger aus dieser Region, dessen Vorfahren um 1830
in die Vereinigten Staaten eingewandert waren (sogenannte Dreissiger).
Ihre Mutter kam mit ihrer Familie Ende des 19. Jahrhunderts vermutlich
aus der heutigen Ukraine (Odessa?) in die USA.

Meine Großeltern waren also schon etwas älter, als sie beschlossen zu
heiraten. Es ist daher durchaus möglich, dass beide vorher schon einmal
verheiratet waren. Eine Ehe war damals in Deutschland jedoch nicht
möglich. Gustav hätte auch nicht in die USA auswandern können, da er
dann aufgrund der Gesetze in Deutschland sein gesamtes Vermögen hätte
zurücklassen müssen. Außerdem hatte er ein besonders enges Verhältnis zu
seiner Mutter Elisabeth, geb. Niermöller. Sein Vater Jean Bernhard
Rösler, Gründer einer Drahtweberei in Essen 1872, war schon 1909
gestorben.

Elisabeth starb 1937, und im gleichen Jahr wurde sogenannte entartete
Kunst in Düsseldorf versteigert, die sich zuvor im Besitz deutscher
Museen befunden hatten. Die Versteigerung lief nicht so ab, wie es die
Reichsregierung und Herr Goebbels erwartet hatten, die sich auf diese
Weise dringend benötigte Geldmittel beschaffen wollten, da die
Westmächte dagegen öffentlich Stellung bezogen. Deshalb konnte Gustav
einige dieser Kunstwerke günstig ersteigern. Er plante, diese Kunst auf
dem internationalen Kunstmarkt in der Schweiz wieder zu verkaufen.

Nach den Begriffen der damals im Deutschen Reich herrschenden Ideologie
war diese Kunst wertlos und konnte demgemäß leicht ins Ausland gebracht
werden. Auf diese Weise war es Gustav also möglich, einen Teil seines
Vermögens in die Schweiz zu bringen, was zu dieser Zeit eigentlich für
Deutsche verboten war. Danach plante er in die USA zu reisen, um Martha
zu heiraten.

Bei ihrer Abreise aus Deutschland im Frühjahr 1939 war Martha schwanger.
Dieses Kind hatten sie zusammen gezeugt, damit Gustav als Vater eines
Ankerkinds in den USA problemlos Aufnahme finden sollte. Der
Kriegsausbruch kam jedoch dazwischen, deshalb musste er in Europa
bleiben. Außerdem bestand seit 1940 gegen Gustav ein Haftbefehl der
deutschen Behörden.

Dies ist somit die Erklärung, warum dieses Bild bei der Hochzeit 1945 in
diesem Raum hing.
--
ЯR
Roger Roesler
2018-07-14 10:46:30 UTC
Permalink
Außerdem hatte er ein besonders enges Verhältnis zu seiner Mutter
Elisabeth, geb. Niermöller. Sein Vater Jean Bernhard Rösler, Gründer
einer Drahtweberei in Essen 1872, war schon 1909 gestorben.
Elisabeth starb 1937
Elisabeth Rösler, geb. Niermöller, wurde am 18. Oktober 1852 geboren und
starb schon am 30. Mai 1936, somit ein Jahr früher. Sie stammte
wahrscheinlich von einem Hof in der Nähe der Stadt Hamm/Westf.

Jean Bernhard Rösler, ihr Ehemann, wurde am 22. Februar 1842 in Lippborg
geboren und starb am 20. August 1909 in Essen.
--
ЯR
Uwe Weiss
2018-07-13 19:05:02 UTC
Permalink
Post by Roger Roesler
Das im Link fotografierte Bild wurde am 8. Juli 1945 anlässlich einer
Party zur Heirat meiner Großeltern Gustav Roesler und Martha Schroer
aufgenommen. Es zeigt meinen Onkel Bernhard Rösler, sowie zwei
amerikanische Ladies. Das Foto könnte in Zürich oder in St. Gallen
aufgenommen worden sein.
Auf dem Foto ist an der Wand ein abstraktes Gemälde zu sehen. Mir ist
dieses Gemälde durchaus bekannt, kann mich aber im Moment nicht daran
erinnern.
<https://twitter.com/roger_roesler/status/1013812974472060928>
Weiß jemand, wer diese Gemälde angefertigt hat? Vielleicht kennt jemand
sogar den Namen des Besitzers im Jahr 1945? Nach den Begriffen der Nazis
handelte es sich dabei wohl um sogenannte entartete Kunst. Wer kennt
dieses Gemälde?
TIA
Mein erster Impuls war "Kandinsky".
Mag aber beliebig falsch sein.

Gruß

-Uwe-
Roger Roesler
2018-07-14 09:49:09 UTC
Permalink
Post by Uwe Weiss
Post by Roger Roesler
Das im Link fotografierte Bild wurde am 8. Juli 1945 anlässlich einer
Party zur Heirat meiner Großeltern Gustav Roesler und Martha Schroer
aufgenommen. Es zeigt meinen Onkel Bernhard Rösler, sowie zwei
amerikanische Ladies. Das Foto könnte in Zürich oder in St. Gallen
aufgenommen worden sein.
Auf dem Foto ist an der Wand ein abstraktes Gemälde zu sehen. Mir ist
dieses Gemälde durchaus bekannt, kann mich aber im Moment nicht daran
erinnern.
<https://twitter.com/roger_roesler/status/1013812974472060928>
Weiß jemand, wer diese Gemälde angefertigt hat? Vielleicht kennt
jemand sogar den Namen des Besitzers im Jahr 1945? Nach den
Begriffen der Nazis handelte es sich dabei wohl um sogenannte
entartete Kunst. Wer kennt dieses Gemälde?
TIA
Mein erster Impuls war "Kandinsky".
Mag aber beliebig falsch sein.
Wassily Kandinsky könnte vom Stil her ungefähr in die richtige Richtung
gehen, scheint es aber auch nicht zu sein. Ich glaube, ich habe damals
gewusst, welcher Künstler es angefertigt hat, kann mich aber nicht mehr
erinnern.
--
ЯR
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